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Nadelhorn - 4323m - Mischabel - Ulrichshorn - Nadelhorn - Stecknadelhorn

Der Sommer 2003 machts schwierig
Datum: August 2003
Höhe: 4324m
Länge: 12 hours
Fels:
Grad: F
Absicherung:
Ernsthaftigkeit:
Approach / Zustieg:
Material: Crampons, 2 ice-axes, rope, icescrew, walking stick recommended
Type:
Stil:
Ausrichtung: all directions
Descent / Abstieg:
Führer: Diverse SAC-Führer

Beschreibung Nadelhorn - 4323m - Mischabel - Ulrichshorn - Nadelhorn - Stecknadelhorn

Das erste Mal - oder sag niemals nie

Lange hab ich gesagt: Hochtouren seien nichts für mich. Mehr noch, ich habe behauptet: Interessiert mich überhaupt nicht und werde ich nie machen. Aber wie James Bond schon zu sagen weiss: Sag niemals nie! Ich hatte ja vor kurzem für den Zustieg ins Klettergebiet Orny - Trient feste Bergschuhe und Steigeisen gekauft. Ausrüstung wär somit vorhanden! Im August waren all meine Kletterpartner in den Ferien oder anderweitig beschäftigt. Die Wetterprognose für das Wochenende perfekt und ich hatte keine Lust bei schönstem Sonnenschein im Mittelland in der Hitze zu garen. Somit sprang ich über meinen eigenen Schatten und schloss mich Alex, Thomas, René und Cornelia an. Der Plan war die Mischabel-Überschreitung. Von der Bordierhütte über das Hohberghorn - Stecknadelhorn - Nadelhorn und runter zur Mischabelhütte.
Der Aufstieg zur Bordier-Hütte von Gasenried war lange und heiss. Landschaftlich jedoch sehr eindrücklich, die gewaltigen Gletschermassen die ins Tal strömen lassen einen einzelnen Menschen sehr klein vorkommen.
Die Hütte selbst ist nichts besonderes, einfach eine SAC-Hütte inklusive den normalen Spaghetti mit perfekter Aussicht. Wobei der Sonnenuntergang war mehr als schön. Als dann beim Zähneputzen auch noch zwei Steinböcke auftauchten war es trotzdem speziell.
Mit der geplanten Überschreitung der Mischabelkette wird leider nichts werden. Tags zuvor wurden die Fixseile für den Aufstieg zum Hohbergrücken durch einen Felssturz vermutlich zerstört. Sommer 2003 sei dank! Somit gings nun übers Ulrichshorn zum Nadelhorn und eventuell weiter zum Stecknadelhorn und Hohberghorn. Früh aufstehen ist eigentlich kein Problem, aber um 2 Uhr 30 in totaler Dunkelheit ist was anderes. Mit dem spärlichen Licht der Stirnlampe in einer Kolonne aufgereit über die Steinblöcke zu stolpern ebenfalls. Über, im fahlen Licht des Morgengrauen irgendwelche Gletscherabrüche zu erklimmen, reden wir besser nicht. Der Lohn jedoch ist unbezahlbar. Das Aufgehen der Sonne, das Farbenspiel und die Stimmung über dem Gletscher ist mehr als überwältigend.
Angeseilt wie ein Hund beim Gassi gehen gehts im ersten Sonnenlicht weiter aufs Ulrichhorn. Der Rundblick auf die Berge von Saas Fee ist nicht von schlechten Eltern. Der Einblick in den Aufstieg zum Nadelhorn eher was für starke Nerven. Ist noch ganz schön weit.
Überraschenderweise war der Aufstieg konditionel kein Problem. Aber psychisch gings mir ganz schön an die Nieren. Durch die Wärme und den seltenen Schneefall war der Aufstieg an manchen Orten glasig. Wenn einer ausrutscht gehen die anderen mit. Auf direktem Weg über einen Eisfall in die Gletscherspalte. Schöne Aussichten! Das letzte Stück zum Gipfel ging noch über Fels bzw. Geröll. Und da war es, das Gipfelkreuz. Das erste mal auf einem 4000er, genau genommen auf 4323 Meter. Der Blick in die Walliser und die Berner Alpen ist atemberaubend, mehr noch als die dünne Luft!
Alex, Thomas und ich gingen noch rüber zum Stecknadelhorn. Wegen Schneemangel war das Traversieren über den Schnee unterhalb den Gendarmen ohne Eisschrauben leichtsinnig. Somit kletterten wir über die Felsen, sollte für mich als Kletterer ja kein Problem sein. Mit Steigeisen auf losem Fels jedoch sehe ich ganz schoen blöd aus. Komme mir vor wie ein Anfänger und Angst versucht die Kontrolle zu übernehmen. Irgendwie hab ich es doch noch aufs Stecknadelhorn geschafft. Der zweite 4000er war im Sack. Noch einmal konnten wir den Rundblick in die Schweizer Alpen geniessen.
Der Rückweg über die Felsen ging schon um einiges besser. Der Abstieg zur Mischabelhütte im aufgeweichten Schnee und Eis war auch kein Problem mehr. Nur, die Mischabelhütte ist ganz klar nicht mein Ding. Viel zu gross und viel zu viel Leute.
Nichts desto trotz, diese erste Hochtour war eine eindrückliche Sache. Und es wird bestimmt nicht meine letzte bleiben. In Mexiko und in Südamerika gibt es noch weit höhere Ziele. Höher als jeder Berg in den Schweizer Alpen.
Alex, René, Thomas und Cornelia. Danke.

Jacques, 1. Januar 2004

Gebietsinformationen

Weg
Visp - Stalden - St. Niklaus - Gasenried, von Saas Fee mit Bus+Zug zurück nach Gasenried
Übernachten
in den SAC-Hütten
Approach / Zustieg
Bordierhütte 2886m - Ulrichshorn 3925m - Nadelhorn 4327m - Stecknadelhorn 4250m - Mischabelhütte 3329m , 10 - 12h
Descent / Abstieg
siehe approach

Weitere Informationen

Bilder Nadelhorn - 4323m - Mischabel - Ulrichshorn - Nadelhorn - Stecknadelhorn